… Niels Koschoreck

 

Avatar-ZwiegesprächViele der großen Philosophen behandeln die Kunst als Teil der Philosophie, ob als Synthese von Wahrheit und Schein wie bei Martin Heidegger, als Wahrheitsgeschehen bei Friedrich Wilhelm Joseph Schelling oder als Schein wie bei Friedrich Wilhelm Nietzsche.

Genauso jedoch machen dieselben Philosophen klar, dass die Liebe und die Kunst untrennbar miteinander verknüpft sind. Somit ergibt sich, trotz unterschiedlichem philosophischen Ansatz, dass die Philosophie, die Kunst und die Liebe untrennbar sind.

Die Kunst schafft die Möglichkeit, dass sich der Liebende einem Identitätszwang entgegenstellt, diesen in ein Gefühl von Freiheit transformiert und somit in das Nicht-Identische führt.

 

Dazu der Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist Theodor W. Adorno: „Ästhetische Identität soll dem Nichtidentischen beistehen, das der Identitätszwang in der Realität unterdrückt.“

In der Kunst können sich Gefühle des Glücks und des Unglücks in einem Kunstwerk wiederfinden. So kann die Kunst die Schwere der Liebe, das auf und ab der Liebe, den Druck der Liebe mindern. Kunst ist so gesehen „die Sprache und Ausdrucksmöglichkeit“ der Liebe!niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-3

Ohne Liebe, ohne die Erfahrungen von Glück und Unglück, kann es keine Philosophie geben, denn wie Karl Jaspers aufgezeigt hat, benötigt der Philosoph Existenserschütterungen und da haben wir wieder die Verbindung: Die Kunst ist „die Sprache und Ausdrucksmöglichkeit“ der Liebe, die Liebe mit seinen existenziellen Eigenschaften ist die Grundlage der Philosophie.

Sie Herr Koschoreck sind somit der Prototyp des modernen Philosophen. Nur ist es doch wie bei der Henne und dem Ei, was kommt denn bei ihnen zuerst? Philosophie, Kunst oder ….

Nun, um den Gedankengang aufzunehmen:

Ich würde sagen, dass bei mir der prototypische Entwurf meines Selbst am Anfang stand, also das heißt jene Differenz von „Wer bin ich?“ und „Wer will ich werden?“, deren Spannung in meiner Erfahrung das ausmacht, was ich als Liebe zum Leben bezeichnen würde.

Am Anfang stand also die Erfahrung, die Jean Paul mit dem schönen Satz beschrieb: „Der Mensch ist nie allein – das Selbstbewußtsein macht, dass immer zwei Ichs in einer Stube sind.“ Und diese zwei Ichs sind es, die – wo sie wirklich wach werden – Selbsterkenntnis und Selbstentwicklung heißen und deren innerer Dialog die mögliche Evolution des Menschen ausmachen.

Kunst und Philosophie sind Quellen und Audrucksformen dieses Zwiegesprächs.

Ich glaube daher, dass Künstler und Philosophen auf der Höhe der Zeit heute Menschen sind, die ihre eigenen SelbstWerdungs-Experimente offenlegen – nicht als narzisstische Nabelschau, sondern als bewusste öffentliche Auseinandersetzung mit den vielen Wirklichkeiten und Möglichkeiten des In-der-Welt-Seins im 21. Jahrhundert. niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-9

Sie nutzen für den außenstehenden Bertachter mindestens zwei künstlerische Möglichkeiten, die des Künstlers selbst und die des Kunstwerks – vielleicht sogar eine dritte, die des Gesamtkunstwerks.

Das hohe Abstraktionsvermögen und analytische Denken des Philosophen im Einklang oder Streit mit dem emotionalen und kreativen Künstler steht für manchen Betrachter im Kontrast zum teils willfährigen bildhaften Kunstobjekt.

Ein Kunstobjekt, dass Selbstbewusstsein auf der einen Seite, Unsicherheiten und Ängste auf der anderen ausstrahlt. Zeigen sie sich bewusst als Spiegel für den Betrachter?

niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-10Was das Spiegel-Sein für den Betrachter angeht: Kunstwerke bieten sich zwar als Spiegel an, aber sie brauchen auch Menschen, die bereit sind, einen langen, ehrlichen Blick in den Spiegel zu tun. Diese Bereitschaft ist nicht immer gegeben. Und manchmal ist Kunst auch einfach kein Spiegel.

In Bezug auf die scheinbare Dissonanz zwischen dem denkenden Abstraktionsvermögen und der teils brachialen Offenheit der Bilder:

Es zeigt sich auch dort ein Zusammenklang für jene, die dafür zugänglich sind.

niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-12Generell geht es in allen meinen Audrucks- und Arbeitsformen gerade um die Frage, inwiefern Menschen vielschichtige, vielseitige und auch widersprüchliche Wesen sind. Ich glaube, dass wir uns alle, bewusster oder unbewusster, an der Aufgabe abarbeiten, unsere Vielheit in eine Form der Einheit zu bringen – und ich bin immer noch nicht sicher, ob das überhaupt gelingen kann.

Was ich dagegen oft beobachte ist, dass Menschen sich zurechtbiegen und ihre eigenen Wünsche und Möglichkeiten teils auch brutal beschneiden, nur um sich (zumindest temporär) wie eine Einstimmigkeit fühlen zu können.

Ich glaube also nicht, dass SelbstBewussstSein und Angst, oder Stärke und Verletzlichkeit, oder Intellekt und Emotionalität, oder Geist und Sexualität, einander ausschließen, sondern dass dies alles Facetten des MenschSeins sind, die mal im Widerstreit stehen und mal im Zusammenspiel tätig sein können.

Hat sie der Glauben daran, „dass SelbstBewussstSein und Angst, oder Stärke und Verletzlichkeit, oder Intellekt und Emotionalität, oder Geist und Sexualität, einander ausschließen, sondern dass dies alles Facetten des MenschSeins sind, die mal im Widerstreit stehen und mal im Zusammenspiel tätig sein können“ dazu bewogen auch als Coach zu arbeiten und andere auf ihrem Weg hin zur eigenen Individualität zu unterstützen?

Ich bin nicht sicher, was mich ursprünglich dazu bewogen hat, im weitesten Sinne als „Coach“ zu arbeiten. Für mich ist das auch nur ein Etikett, was manchmal nützlich zur Orientierung ist und manchmal begrenzend.

niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-13Mir macht es vor allem Freude, Fragen zu stellen und meine Ideen, meine Einsichten, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen – das ergibt für mich persönlich einfach Sinn. Dass ich in allen Facetten meines Lebens und Tuns Menschen unter anderem auch dazu ermutige, ihre vielen Facetten anzunehmen und zu leben, ist vielleicht nur eine Nebenwirkung meines komplizierten Charakters.

Gehört es zu ihren vielen Facetten oder ist es einfach eine Notwendigkeit, dass sie auch hierbei wieder einen speziellen Weg gehen – das PrivatStudium bestehend aus Coaching (laut ihrer Definition: eine Begleitung bei Veränderung, Persönlichkeits- und KompetenzEntwicklung), Mentoring (der ratgebenden Vermittlung von Wissen, Fachwissen ebenso wie Wissen aus persönlicher Berufs- und Lebenserfahrung) und handlungsorientierter philosophischer Praxis (die Kunst des kreativen Fragens und klugen Reflektierens), eine Art All-in-one-Persönlichkeitsstudium?

niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-4Beides. Meine „vielen Facetten“ haben dazu geführt, dass ich in Bezug Charakter-Entwicklung die Idee eines Spektrums der Lebens- und Business-Kunst erarbeitet habe, das verschiedener Herangehensweisen gleichzeitig bedarf.

Das PrivatStudium besteht aus der Mischung aus fokussierten Coaching-Fragen und -Interventionen, gut recherchiertem Rat, Transfer eigener Erfahrungen und sinngebender Reflexion.

Ich glaube, dass viele Ansätze in der Arbeit mit Menschen zu eng fokussiert sind, was der Idee des Spezialistentums geschuldet ist.

Spezialisierung macht zwar auch hier teilweise durchaus Sinn, viel öfter braucht es meines Erachtens aber heute eher einen Neo-Generalismus, der Zusammenhang, Synergie und Überblick in das Wirrwarr der Methoden und das Durcheinander des MenschSeins im 21. Jahrhundert bringen kann.

niels-koschoreck-im-zwiegespraech-mit-jonny-hofer-8In den sozialen Medien habe ich ein neues Projekt von ihnen entdeckt, welches sie für 2017 ankündigen: Freiheits Raum. Für mehr Freiheit: Individuell, finanziell, kulturell, gesellschaftlich, politisch. Ist das eine Weiterentwicklung des Privatstudiums oder eine Ergänzung – oder etwas völlig Neues?

FreiheitsRaum ist etwas völlig Neues. Überhaupt habe ich viel Neues vor in 2017. Es wird um Freiheit in allen Facetten gehen und wie sie sich verwirklichen lässt. Ich bin selbst sehr gespannt darauf.

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Privatstudium. Alles ausser gewöhnlich. Im Talk mit Niels Koschoreck – Automatische Weiterleitung durch anklicken des Logos!

 

 


Niels Koschoreck

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Niels Koschoreck ist Spezialist für das Unkonventionelle und Außergewöhnliche – und eine Art Universalgelehrter: Von Kunst und Kultur über Business und Wissenschaft bis hin zu Philosophie, Soziologie und Marketing – Niels‘ Bildung umfasst das gesamte Spektrum menschlichen Wissens.

Geboren in Neuss, studierte er zunächst Germanistik und Philosophie (auch als Gaststudent bei Peter Sloterdijk) und war oft Gast bei Vorlesungen und Seminaren an der Kunstakademie Düsseldorf und der Kölner Hochschule für Musik. Dann begann er ein intensives autodidaktisches Studium der Naturwissenschaften, der Psychologie sowie der klassischen Grundlagen von Business und Marketing – während er einen Zirkus begleitete, als Freelance-Tutor arbeitete und Europa bereiste. Nachdem er seine Universitätsstudien in Philosophie beendet hatte kam er zu dem Schluss, dass er weder Taxifahrer noch Gymnasiallehrer werden wollte (die üblichen „Karrierewege“ der meisten Philosophiestudenten) und dass eine rein akademische Universitätslaufbahn ebenso ungeeignet für ihn war.

Er startete daraufhin eine umfassende Ausbildung in NLP, zunächst in Deutschland und dann international, vor allem bei NLP-Co-Entwickler Richard Bandler. Er absolvierte zahlreiche nationale und internationale Zertifizierungen als NLP-Trainer und Coach und arbeitete dann einige Jahre lang als NLP-Ausbilder und Coach.
Seine Coaching-Fähigketien erweiterte er durch den Besuch zahlreicher Seminare, u.a. in systemischer Hypnotherapie, lösungsfokussierter Kurzzeittherapie (bei dem Begründer Steve de Shazer) und provokativer Therapie (bei dem Begründer Frank Farrelly). Zudem erweiterte er seine Arbeit im Coaching durch philosophische Praxis.

Unzufrieden mit den Oberflächlichkeiten und Übertreibungen der NLP- und Coaching-Szene, trennte er sich komplett von allen offiziellen Verbänden und stellte seine Tätigkeit als NLP-Ausbilder ein. Stattdessen entwickelte er seine eigenen Seminare, wie z.B. „Die Kunst der Veränderung und Transformation“, erschuf das PrivatStudium – eine interdisziplinär fundierte Integration von Coaching, Mentoring und philosophischer Praxis, die eine hochindividuelle, flexible und fokussierte Arbeit an den Lebens- und/oder Business-EntwicklungsProzessen seiner Klienten ermöglicht – und veröffentlichte zahlreiche OnlineKurse und VideoPräsentationen.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=-QLQXokVwos]

Während er seine eigenen Beratungs-Unternehmen aufbaut ist Niels weiterhin weltweit unterwegs, um auf Talks und Workshops von den brilliantesten Köpfen aus Business und Marketing zu lernen, u.a. von Seth Godin, Dan Kennedy, Jay Abraham, Gary Vaynerchuck, Daniel Pink, Tom Peters, Clayton M. Christensen und vielen anderen.

Zu seinen Klienten zählen Manager, Künstler, Finanzdienstleister, Vollzeit-Mütter, Verkaufs-Profis, Freelancer der verschiedensten Bereiche und ehrgeizige Unternehmer.

Neben seiner Arbeit als kompetenter Berater ist Niels zudem praktizierender künstlerischer Fotograf und PerformanceKünstler, Verfasser von Poesie und ein extrem produktiver Blogger.

Seit 2004 lebt Niels Koschoreck in London, Großbritannien.

Kontakt:

Niels Koschoreck International
134 Dukes Avenue
London N10 2QB
United Kingdom

http://www.nielskoschoreck.de
niels@nielskoschoreck.de

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… Amer Albayati

Avatar-ZwiegesprächIn den ersten 40 Jahren meines Lebens spielte Religion nie eine bedeutende Rolle, erst seit einigen Jahren hat sich das geändert, aber auch eher als „Themenbereich Politik“ – wie kann das sein? Im Leben von Milliarden Menschen auf der ganzen Erde verteilt, spielt die Religion und der Glaube an einen Gott oder mehrere Götter eine große Rolle. Es gibt den Menschen Halt und Sinn im Leben. Religiöse Lehrer und Schriften vermitteln Gläubigen Orientierung und wirken als Vorbilder, entwickeln moralische Leitlinien.

Die teils vor Jahrtausenden Jahren entstandenen Religionen sind zum einen so unterschiedlich wie die Kulturen denen sie entstammten und dennoch haben sie sehr viele Gemeinsamkeiten.

Leider wird der Glaube an die eigene Religion oftmals missbraucht und das nicht erst seit kurzem. Kulturelle Unterschiede, die sich im Glauben wiederspiegeln und charismatische religiöse Führer, die mehr den pragmatischem und weltlichen Gedanken von Macht und Gier folgen – ein solches Gemisch war schon immer in der Geschichte der Welt ein Beginn fürchterlicher Gräueltaten von Menschen untereinander. Was denken sie, Herr Albayati?_liberale-muslime-mobilisieren-gegen-radikale-mit-neuer-plattform

Das Kalkül der Religionen und der Ideologien ist es, die Gläubigen zu täuschen. Sie behaupten jeweils im Besitz der absoluten oder einzigen Wahrheit zu sein und verdrängen die anderen mit allen Mitteln, zur Not auch mit Gewalt. Die ganze Menschheitsgeschichte ist voll von solchen Beispielen. Auch heute führt dieses Problem von Revolten bis hin zum Terror.

Nelson Mandela sagte einst: „Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“ Dem kann ich persönlich beipflichten, aber warum wird dieser Hass immer wieder gesät?

Ich glaube auch fest daran, dass man mit Liebe viel erreichen kann und das man mit Hass langfristig sich selbst schadet, nur liegt hier wohl das Hauptproblem: Hass!

foederation-fuer-weltfrieden-universal-peace-federation-austriaDie Muslime müssen sich vom Ballast des Juden- und Christenhasses loslösen, aber sie werden in ihren Herkunftsländern leider zu Antisemiten und Antichristen erzogen. Nur wegen der Migration in die nicht muslimische, europäische Gesellschaft ändert sich ja diese feindselige Einstellung gegenüber den Juden nicht. Aus diesen Gründen ist der Anteil von Antisemiten unter den Muslimen überproportional hoch.

Ähnlich feindselige Einstellungen gibt es auch gegenüber Christen und Vertretern anderer Religionsgemeinschaften, aber auch gegenüber den liberalen Muslimen sowie säkular eingestellten Menschen. Eine Integration der Muslime in Europa ist nur möglich, wenn sie sich vom Ballast ihrer Vorurteile lösen und den Islam reformieren, ihm eine Europäische Prägung geben:

Die heiligen Schriften müssen einer zeitgemäßen Interpretation unterzogen und dürfen nicht als sakrosankt betrachtet werden.

Meist beginnt es mit einfachen kleinen Dingen, bei denen man noch sagen kann, lass sie doch, da muss man tolerant sein. Nur ist genau das auch oft ein ausprobieren: „ … ein, wie weit kann ich gehen!“13007204_1187064807984786_4909310985684820550_n

Menschen sind keine Versuchskaninchen und dafür auch nicht geeignet. Mit Toleranz alleine kann man keine Probleme lösen. Man muss sie benennen und man muss sie meistern!

Die Muslime können in Europa nicht schalten und walten wie sie wollen oder unsere Rechtsordnung außer Kraft setzen. Das wird den sozialen Frieden und die innere Sicherheit in Frage stellen.

Freilich, solange hier in Europa noch die politisch organisierten Islamisten und ihre oft radikalen Organisationen unterstützt werden, wird die Integration von Muslimen scheitern und die Gefahr des Terrorismus wachsen.

Die aktuelle Diskussion zu Niqab und Burka zeigt, dass für viele Politiker, Journalisten, Frauenrechtler, Islamwissenschaftler in Europa dieses „ … wie weit kann ich gehen?“ bereits begonnen hat. Auch sie Herr Albayati sind dafür, mit der „Kopftuch-Heuchelei“ aufzuhören. Warum?

13317059_1220333267991273_7695716045073672476_oIm Koran gibt’s weder Kopftuch Hijab, Niqab, Burka, Tschador oder eine Ganzkörperverschleierung, das sind Symbole radikaler Islamisten, um die Frauen zu unterdrücken und zu versklaven.
 Es ist verwunderlich, dass bestimmte Politiker und manche Journalisten das unterstützen, entweder sind die ahnungslos oder dumm oder beides, was noch schlimmer ist.
 Solche Volksverdummung muss in Europa sofort gestoppt werden!

Die Kopftuch- Heuchelei muss endlich aufhören

Aber nochmal zurück zur Religion:

Als säkularer und liberaler Moslem habe ich mich seit meiner Jugend für Philosophie, Religionen und Humanismus interessiert und mit allen Menschen den Dialog gesucht. Ich bin andersdenkenden mit Respekt und Toleranz begegnet, weil es mich interessierte welchen Sinn das menschliche Leben hat, warum die Meinungen dazu so unterschiedlich sind. Ich wollte wissen warum die unterschiedlichen Dogmen zu Hass und Gewalt, zu Feindseligkeiten und sogar Kriegen führen._amer-albayati-auf-der-todesliste-des-is

Ich frage mich jeden Tag, wann haben die Menschen den Sinn des Lebens verloren und warum.

Meiner Meinung nach suchen die Menschen seit ihrer Entstehung Leitbilder. Leider entwickelt sich das immer und immer wieder sehr schnell in einen Personenkult. Dieser wiederum stärkt die Religion, ihre Ideologie und führte automatisch zu einem Missbrauch durch eben jene Religionsführer.

Außerdem hat die Menschheitsgeschichte immer wieder über alle Zeiten und Epochen bis in unsere Gegenwart gezeigt, dass unsere Führungssysteme krank waren und sind, sei es früher mit dem reichen Führer oder Adligen und heute mit dem System von Politiker und Wähler. Welche Alternativen die Zukunft bringt, wird sich zeigen, aber eine Entwicklung, welcher Art auch immer, wird langwierig und schwierig, denn keiner will auf seinen Posten und seinen Profit verzichten!

Herr Albayati, in ihrem Buch „Auf der Todesliste des IS“ beschreiben sie auch ihre Kindheit und die Zeit als Jugendlicher – für mein Verständnis außerordentlich offen. Wie kommt denn ihre Offenheit bei anderen Muslimen an?

auf-der-todesliste-des-isEs kommt darauf an – mal so, mal so!

In meiner Zeit als Teenager war ich stark geprägt durch die Bücher meines Onkels und wenn ich dort etwas nicht fand konnte ich immer noch zu einer kleinen Bezirksbibliothek in der Nähe unseres Hauses gehen. Bücher zu den unterschiedlichsten Themen waren die wichtigsten Quellen für mich und die Entwicklung meines bewussten Denkens in diesem Alter.

Die meisten Muslime wollen zwar so unbekümmert leben wie die Europäer es tun, aber sie sind anders erzogen oder haben auch nicht die Möglichkeiten gehabt wie ich. Wenn sie hier in Europa sind, fügen sie sich oder passen sich einfach an die vorhandenen Gegebenheiten an. Allerdings ohne eigene Initiative für ihre eigene Entwicklung oder die ihrer Familie. Aus diesem Grund haben sie auch Angst sich offen zu Europa und seinen Werten zu bekennen, sowie offen über islamische Reformen zu sprechen. Sie stecken fest und umso mehr sie sich zurücknehmen, umso mehr belastet es sie nichts zu sagen. Die Angst etwas laut zu sagen, was der Muslimischen Gesellschaft nicht passt, die Angst vor anderen Muslimen, die Angst davor, nicht der muslimischen Norm zu entsprechen, verhindert das Ausbrechen aus diesem Teufelskreis von Erziehung und die eigene Religion in Frage zu stellen.

amer-albayati-mit-auday-al-khairalla-irakische-botschafter-in-wienRichtig spannend wurde es für mich, als ich die Zusammenhänge in den verschiedenen muslimischen Netzwerken besser verstanden habe. Speziell das Thema Muslimbruderschaft kannte ich ja nur als eher ägyptisches Thema durch einen Dokumentationsfilm auf ARTE.

Da haben wir schon das erste Problem. Die Muslimbruderschaft beschränkt sich eben nicht nur auf z.B. Ägypten sondern spinnt ihr Netzwerk seit über 80 Jahren in allen islamischen und arabischen Ländern. Durch islamische Vereine, Gebetsräume und Moscheen haben sie ihr Netzwerk auch in Europa sehr erfolgreich gesponnen. Vor allem – es steckt politisches Kalkül dahinter! Die Muslimbruderschaft ist die Mutter allen Radikalismus und Terrorismus und behauptet sich nicht nur bekanntermaßen in Ägypten sondern auch weit unauffälliger in den sogenannten Parallelgesellschaften in der ganzen Welt. In Österreich sind vielleicht 1% der konservativ- fundamentalistischen  Muslime „Mitglieder“ (im Islam gibt es offiziell keine Hierarchie oder Priestertum und keine Mitgliedschaft)  und in Deutschland ca. 2%, was jedoch gefährlich genug ist.

Sie warnen die Behörden in Österreich und Deutschland bereits seit Jahren, was hat sich dabei aus ihrer Sicht getan?

bundesminister-fuer-europa-integration-und-aeusseres-sebastian-kurz-amer-albayatiWir haben ein Multi-Kulti-Problem! Der falsche Integrationsansatz, die vielen und falschen Freiheiten und die grenzenlose Toleranz haben dazu geführt, dass die Muslime von den Politikern primär als Wähler betrachtet werden und somit „vergessen“ sie, die daraus wachsenden Probleme zu lösen – wobei das in meinen Augen jetzt sowieso zu spät ist. Wenn die Problematik nicht schnellstmöglich und sehr gründlich behandelt wird befürchte ich immer mehr Konflikte, Konfrontationen bis hin zu Bürgerkrieg-ähnlichen Zuständen. Die derzeit agierenden Politiker kehren trotz vieler und anhaltender Warnungen – nicht nur von mir – die Probleme immer noch unter den Teppich!

Die hessische Landesregierung z.B. setzt den Islamunterricht an hessischen Schulen in Kooperation mit der türkisch-muslimischen Organisation Ditib fort. Sie sind Gegner solcher Kooperationen, warum?

_tag-der-offenen-moscheeWir von der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ), sind seit unserer Gründung am 2.2.2000 gegen eine solche Zusammenarbeit mit den radikalen und konservativen Islamisten. Wir betrachten auch das neue Islamgesetz in Österreich als einen historisch-gefährlichen Fehler für die Zukunft. Wir lehnen jegliche Zusammenarbeit mit den radikalen Islamisten und ihren dubiosen Organisationen in ganz Europa ab. Der Unterricht in den Islamschulen hier in Europa wird als Ersatz für den Unterricht in den Koranschulen in Saudi Arabien oder Iran herhalten und ist deshalb schon keine Lösung – eher das Gegenteil!


Dr. Amer Albayati

aab-profilDr. Amer Albayati, geb. 1942 in Bagdad. Führender internationaler Journalist für Presse, Rundfunk und Fernsehen.

Amer Albayati verlegte rund 50 Bücher für Länder der arabischen Welt.

Er wurde vielfach ausgezeichnet für 15 Dokumentar- und einen Spielfilm, der im Irak verboten wurde.

Als Islam- und Terrorexperte versucht er, aufklärend tätig zu sein, und setzt sich seit Jahrzehnten für einen gemäßigten Islam ein.

Er ist Mitbegründer der United Nations Correspondents Association Vienna (UNCAV) und der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ). Amer Albayati floh aus dem Irak und lebt seit 1980 mit seiner Familie in Wien, wo ihn die Gefahr neuerlich eingeholt hat.

auf-der-todesliste-des-isAuf die Todesliste des IS brachte Amer Albayati sein Eintreten gegen Radikalismus und Terror, für Freiheit, Menschenrechte und einen liberalen Islam europäische Prägung. Dennoch verfolgt er trotz 15 Morddrohungen unbeirrt sein Ziel. Seine Geschichte rüttelt auf. Sie ist ein Aufruf zu Wachsamkeit und ein mutiges Bekenntnis zu Aufklärung, Demokratie und Friedfertigkeit. Dieses Buch zeigt uns nicht nur die Wurzeln des Dschihadismus und Terrors, sondern auch Auswege aus dem Dilemma der westlichen Welt.

„Das Buch habe ich verfasst als friedlicher Aktivist im Sinne aller Menschen, egal welche Religion oder Weltanschauung sie haben und habe deshalb auf jeglichen Gewinn durch den Verkauf meines Buches oder anderen Veröffentlichungen verzichtet.“

Amer Albayati

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